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Status und Tendenzen des Spanischen in Trinidad & Tobago

Status und Tendenzen des Spanischen in Trinidad & Tobago. 

 

 

Art der Uni-Arbeit: Bachelorarbeit

Fachrichtung: Sprachwissenschaft

Autor/-in: Malika Achmedowa

 

Ein interessantes Ergebnis der Befragung war, dass zwar die Mehrheit der Befragten (ca. 94,4 %) nicht zwischen Standardenglisch und dem lokalen Dialekt unterschieden, junge Leute an dieser Stelle aber eher als andere Altersgruppen zwischen beiden Sprachvarianten differenzierten und zudem ihre kulturbestimmenden Charakteristika stärker von anderen gleichsprachigen Kulturen abgrenzten. Das Ergebnis, dass junge Menschen das Nebeneinanderbestehen von der spanischen und der englischen Sprache eher ablehnen, spiegelt die Tatsache der kulturellen und sprachlichen Abgrenzung der jungen Generation ebenfalls wider. Über die Gründe können hier nur Vermutungen angestellt werden. Es liegt der Schluss nahe, dass sich aufgrund der Insellage und der äußerst lebendigen Trini-Kultur, die sich vor allem in allgegenwärtiger Soca-Musik und Liming (ungezwungenes soziales Zusammenkommen) ausdrückt, eine starke kulturelle und sprachliche Identität und patriotische Einstellung ausbildet.

 

Gestützt wird diese Annahme auch von dem Umstand, dass der lokale Dialekt besonders stark gelebt wird und sich dynamisch entwickelt, indem beinahe wöchentlich neue Wortkreationen und Phrasen auftauchen, die besonders von der Jugend beispielsweise aus der Musik aufgegriffen und im Alltag verwendet werden. Dies ist nicht nur auch auf anderen Inseln der Karibik, wie beispielsweise auf Jamaica und Kuba, zu beobachten, sondern ebenso in europäischen Ländern, in denen sich unterschiedliche Jugendkulturen ausprägen, die sich durch Sprache voneinander abgrenzen. Ein Beispiel hierfür wäre das Verlan, das von Jugendlichen in Pariser Vorstädten gesprochen wird. Auch die Tatsache, dass Trinidad & Tobago seine Unabhängigkeit erst 1962 erlangte und folglich ein sehr junges Land ist, könnte eine Erklärung für den ausgeprägten Patriotismus und den engen Bezug zum eigenen Dialekt liefern und könnte vielleicht auch für die geringe Bereitschaft gerade der jungen Bevölkerung verantwortlich sein, sich mit dem Spanischen auseinanderzusetzen.

Erstaunlich ist, dass junge Menschen in der vorliegenden Befragung zwar eine ausgeprägtere Differenzierung und Betonung der lokalen sprachlichen und kulturellen Varietät vornehmen, gleichzeitig allerdings auch eine größere Motivation zeigen, eine Fremdsprache zu lernen und zudem vorab schon mehr Fremdsprachen gelernt haben als Teilnehmer mittleren Alters oder alte Personen. Es lässt sich vermuten, dass junge Leute mit Blick auf berufliche und persönliche Perspektiven den Nutzen der Fremdsprachenkompetenz höher einschätzen als die Vergleichs- gruppen (vgl. Apelt 1976: 136). Eine mögliche Erklärung hierfür könnte die relativ kleine Fläche der Insel und die vorrangige wirtschaftliche Ausrichtung auf den Energiesektor sein, der über 40% des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. In Trinidad & Tobago stehen öffentlichen Investitionen in Höhe von etwa 3 Mrd. Euro nur etwa 130 Mio. Euro an einheimischen privaten Investitionen gegenüber (vgl. Auswärtiges Amt: 2013). Daraus lässt sich ableiten, dass die Ausrichtung des Landes auf den Energieexport weitreichende Auswirkungen auf Berufsfelder hat, welche vorwiegend für junge Menschen interessant sind.

 

Die vorliegenden Ergebnisse der Befragung zeigen außerdem, dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer bereits Kontakt mit Spanisch hatte sowie die spanische bzw. venezolanische Kultur und deren Ausprägungen (z. B. Parang-Musik) wahrnehmen (siehe Fragen 8, 10 und 18) und deshalb von einem Bewusstsein für jene Sprache und Kultur auszugehen ist. Auch die Ergebnisse der Frage 19 verdeutlichen, dass sich alle Bürger spanischer Traditionen und Kultureinflüsse bewusst sind und mehrheitlich der Meinung sind, dass Spanisch die erste Fremdsprache des Landes ist.

 

Es zeigte sich in dieser Befragung auch, dass die Mehrheit der Befragten glaubt, dass vorrangig spanische Familien und deren Nachkommen sowie Immigranten und venezolanische Studenten Spanisch reden. Daraus kann erneut geschlussfolgert werden, dass nahezu allen Befragten spanische Einflüsse bewusst sind, für die wenigsten Befragten allerdings ein relevanter Alltagsbezug besteht. Dies hat unweigerliche Auswirkungen auf den Gebrauch der Sprache. Das Fehlen der Notwendigkeit, Spanisch im Alltag anzuwenden (Motivatoren), gepaart mit einer ausgeprägten nationalen Identität und scheinbar wenig sozialer Interaktion mit spanischsprachigen Menschen, könnten mögliche Erklärungen für den Umstand sein, dass die Mehrheit der Befragten nur wenig Motivation zeigt, Spanisch zu sprechen.

 

So gaben auch nur rund 23 % der Befragten als Beweggrund für den Fremdsprachenerwerb Spaß und Neugier an und nur ca. 9 % äußerten den Wunsch mehrsprachig zu werden. Demgegenüber zeigte sich, dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer angab, Spanisch gelernt zu haben, weil es Bestandteil des Lehrplanes war. Dies verdeutlicht, dass die Motivation, mehrsprachig zu werden, in den wenigsten Fällen aus eigenem Interesse oder freien Stücken (intrinsisch motiviert) erfolgte, sondern von den meisten als schulische Pflicht empfunden wird.

 

Wie schon in den theoretischen Ausführungen zur Motivation gezeigt wurde, spielt die Form der Motivation besonders beim Spracherwerb eine entscheidende Rolle, da sie den Nutzen, den Umgang und die Haltung gegenüber der jeweiligen Sprache und Kultur beeinflusst (vgl. Solmecke 1983: 77). Man kann davon ausgehen, dass intrinsisch motivierte Personen aufgrund ihrer freien Willensentscheidung, einen offeneren Umgang mit jener Sprache und Kultur pflegen und empfänglicher für sie sind. Beim Lernort Schule ist es jedoch wahrscheinlicher, dass eher von einer extrinsischen Motivation der Lernenden auszugehen ist. Dieser Punkt wird auch bei Deci & Ryan (1983) als Grad der Selbstbestimmung beschrieben und gilt als wesentlicher Einflussfaktor für die jeweilige Motivation. In der Schule hat der Schüler, wie wir wissen, wenig bis gar kein Selbstbestimmungsrecht. Da die meisten Befragten aber den Lernort Schule oder Universität angaben und als Motivationsgrund Sätze wie „der Fremdsprachenunterricht war in der Schule obligatorisch“ nannten, lassen sich auch die Ergebnisse auf Frage 20 sinnvoll einordnen und es wird deutlich, dass die Fremdsprachenvermittlung des Spanischen schon seit vielen Jahrzehnten angestrebt wird bzw. schon lange obligatorischer Bestandteil der Schullaufbahn ist. Die vorherrschende extrinsi- sche Motivation der Befragten beim Fremdsprachenerwerb Spanisch lässt die Schlussfolgerung zu, dass wenig tief gehendes Interesse für die spanische Sprache und Kultur vorlag. Dass die Befragten in Frage 20 angaben, zufrieden mit der aktuellen Rolle des Spanischen auf der Insel zu sein, zeigt, dass sie sich folglich gar keinen größeren, spanischen Einfluss wünschen. Dieser Befund drückt sich auch in den Antworten auf Frage 16b aus, bei denen die Mehrheit der Perso- nen angab, Spanisch als gleichwertige Sprache nicht zu akzeptieren.

 

Die Befunde der vorliegenden Befragung stützen die Annahme, dass ein Zusammenhang zwi- schen der Motivation beim Spracherwerb und der Einstellung gegenüber der Sprache besteht und der Gebrauch maßgeblich von diesen Einflussfaktoren (Motivation und Einstellung) determiniert wird (vgl. Solmecke: 41f.). Bezogen auf die Situation in Trinidad & Tobago, kann ableitend von den Ergebnissen also davon ausgegangen werden, dass die meisten Personen nicht besonders motiviert sind, sich mit Spanisch auseinanderzusetzen. So gaben ausschließlich intrinsisch moti- vierte Teilnehmer an, freiwillig auf eine Sprachschule gegangen zu sein, wohingegen die Mehrheit der extrinsisch Motivierten den schulischen Spracherwerb nannte. Es wäre möglich, dass eine verbesserte schulische Lernsituation sich positiv auf die Verbreitung des Spanischen in Trinidad & Tobago auswirkt und das langfristige Ziel, zweisprachig zu werden, positiv beeinflusst. In der aktuellen Fachliteratur lassen sich zahlreiche Techniken und Ansätze finden, intrinsische Motiva- tion zu steigern. Allgemein lässt sich zusammenfassen, dass eine Steigerung der Motivation durch das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse, Interessen und Ziele der Lernenden erreicht werden kann, indem Spaß und Interesse gesteigert werden. Eine Technik beschreibt, dem Lernenden die Möglichkeit zu geben, in Abhängigkeit seiner persönlichen Interessen eigenständig Schwerpunkte im Stoff wählen zu lassen, oder interessante Lehrmaterialien zu präsentieren, die Neugier und Freude bei der Auseinandersetzung steigern. Auch könnten abwechslungsreiche Lehrtechniken und Alternativen zum klassischen Frontalunterricht, wie Gruppenarbeiten oder Diskussionen zu einer höheren Involviertheit und einer aktiveren, spielerischen Auseinandersetzung mit dem Stoff führen (vgl. Düwell 1983: 179ff.).

 

Ein weiteres interessantes und folgenreiches Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass junge Menschen die Bildungsprogramme der Regierung zu Gunsten des Bilingualismus´ auf der Insel am wenigsten von allen Vergleichsgruppen mit nur ca. 4,5 % wahrnehmen. Da aber gerade junge Menschen die Zielgruppe dieser Regierungsprogramme sind, stellt sich die Frage, welche Faktoren hierfür verantwortlich gemacht- und verbessert werden können, damit junge Menschen sich den Chancen derartiger Bildungsprogramme bewusst werden und diese wahrnehmen. Da hier zahlreiche Einflussfaktoren denkbar sind, die durchgeführte Befragung aber keinerlei Rückschlüsse auf diese Faktoren zulässt, soll an dieser Stelle von einem Erklärungsversuch abgesehen werden. Vielmehr sollen künftige Forschungsvorhaben für diesen Aspekt sensibilisiert werden.

 

Ebenso wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand der Befragten und ihrem Antwortverhalten gab. In diesen Analysen zeigte sich, dass Akademiker die globale Bedeutung des Spanischen eher erkennen, als Personen mit niedrigerem Bildungsstand und diesem deshalb ein höheres Prestige zuerkennen. Bei der Analyse der Einzelfälle wurde ebenso ersichtlich, dass Personen, die kein Spanisch gelernt haben, überwiegend auch nicht wissen, wer Spanisch spricht. Dieses Ergebnis bestätigt die theoretische Annahme, dass es einen Zusammen- hang zwischen formaler Bildung und der Bedeutungszuschreibung von Fremdsprachenkompetenz gibt und die erworbene Fähigkeit in der Fremdsprache zu kommunizieren maßgebend bei der Entwicklung eines Bewusstseins für die andere Sprache und Kultur ist (vgl. Dittmar 1997: 119ff.).

 

 

 

 

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Blog info

  • Status und Tendenzen des Spanischen in Trinidad & Tobago
  • 2020-12-30 15:59:46
Uniwissen